Caroline Stotz-Meyer

Praxis für Physiotherapie
Caroline Stotz-Meyer
Kurfürstenstr. 27
10785 Berlin

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News

Kurzes, intensives Training verbessert Gesundheit von Kindern

Viele Kinder leiden unter Bewegungsmangel und haben in der Folge häufig gesundheitliche Probleme wie Übergewicht und Bluthochdruck. Dass sich dem mit simplen Methoden entgegenwirken lässt, zeigte ein Forschungsteam der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Medical School Berlin (MSB). Sie integrierten ein hochintensives Intervalltraining (HIIT) in den regulären Sportunterricht und konnten innerhalb kürzester Zeit gesundheitliche Verbesserungen feststellen.

Beim hochintensiven Intervalltraining (HIIT) wechseln sich kurze Phasen intensiver körperlicher Belastung mit Erholungsphasen ab. „Je höher die Intensität ist, desto größer scheinen die Anpassungseffekte auch bei Kindern zu sein“, sagt Dr. Sascha Ketelhut vom Institut für Sportwissenschaft der MLU. Es komme also weniger darauf an, sich sehr lange zu bewegen, sondern sich in kurzer Zeit möglichst intensiv zu bewegen. „Interessanterweise entspricht genau diese intermittierende Belastungsform dem natürlichen Bewegungsverhalten von Kindern“, so Ketelhut. Kinder gehen nicht unbedingt längere Strecken Joggen. Vielmehr entspricht es ihrem natürlichen Spiel- und Bewegungsverhalten, dass sich intensive Belastungsphasen und kurze Erholungsphasen ständig abwechseln, wie beispielsweise bei Lauf- und Fangspielen.

Die Effekte von HIIT sind bei Erwachsenen gut untersucht, bei Kindern gibt es hierzu allerdings erst wenige wissenschaftliche Erkenntnisse außerhalb des Leistungssports. Ein Forschungsteam um Ketelhut integrierte die Methode daher in den regulären Sportunterricht von Drittklässlern. Die ersten 20 Minuten machten die Kinder statt des üblichen Schulsports bewegungsintensive Spiele wie Staffelläufe mit kurzen Sprints oder kurze Zirkeleinheiten, die immer wieder von kurzen Erholungszeiten unterbrochen wurden. „Wir haben dabei immer versucht, intensive Bewegungsformen auszuwählen, die aber zugleich Spaß machen“, sagt Ketelhut. Die Trainingseinheiten wurden häufig mit Musik und Choreographien verbunden. Die Studie lief lediglich über drei Monate, konnte in dieser Zeit aber bereits eindeutige Effekte erzielen. Sowohl in der Ausdauerleistungsfähigkeit als auch beim Blutdruck zeigten sich signifikante Verbesserungen über den Versuchszeitraum hinweg. Damit könne gesundheitlichen Problemen auch langfristig vorgebeugt werden, so Ketelhut. „Hoher Blutdruck bei Kindern führt häufig zu hohem Blutdruck im Erwachsenenalter.“

Die Ergebnisse sprechen dafür, HIIT in den regulären Sportunterricht zu integrieren, da diese Trainingsmethode effektiv, motivierend und kindgerecht zugleich sei, so Ketelhut. Das Training ist zudem sehr zeitökonomisch und lässt sich gut in das reguläre Schulsportcurriculum integrieren.

Health und Training auf der FIBO: Die neue Halle 8

Das Thema Gesundheit nimmt im Fitness-Sektor eine immer wichtigere Rolle ein. Die FIBO ist der Treffpunkt für den weltweiten Gesundheitsmarkt und bringt deren Player, darunter Physiotherapeuten, Sportmediziner, Klinik-, Rehazentren- und Studiobetreiber, vom 2. bis 5. April 2020 in Köln zusammen. Der zentrale Anlaufpunkt ist dabei die Halle 8. Sie repräsentiert den stetigen Wandel in den Bereichen Gesundheit, Training und Wellness und bietet Lösungen für Fitnessstudios an, die sich stärker auf den Gesundheitsmarkt ausrichten möchten.

„Der aktuelle Wandel betrifft nicht nur jede Branche für sich allein. Immer mehr Schnittstellen sorgen für Synergien im Markt, um auf die Veränderungen der Bedürfnisse zu reagieren. Diese Entwicklung greift die Halle 8 auf“, so Silke Frank. So sind die Themen Prävention, Rehabilitation und Therapie dank des großen Ausstellungsangebots, Vorträgen und praxisnahen Workshops bereits seit Jahren fester Bestandteil des Messekonzepts. Zukünftig bietet die Halle 8 zudem gebündelt einen Überblick über medizinische Therapie- und Trainingsgeräte, die in Reha-Abteilungen der Kliniken, Therapieeinrichtungen und Physiotherapiepraxen einsetzbar sind.

Herzstück der Halle ist der Meetingpoint Health, der ab 2020 den Meetingpoint Physio ersetzt und das Thema damit ganzheitlicher in den Fokus rückt. Hier präsentieren sich Partner und Institutionen aus dem Gesundheitsbereich. Das Rahmenprogramm prägen praxisorientierte Workshops, Vorträge und Expertentalks zu Themen wie Gesundheit, Therapie und Training. Auch BGM steht in Halle 8 im Fokus.

Abgerundet wird das Hallenangebot durch Wellness- und Yogabereiche. Neben Ausstattern für Wellness- und Spa-Einrichtungen, beraten Experten im Wellness Competence Center rund um Wellness, Gesundheit und Fitness, während die Body & Mind Area dazu einlädt, Yoga-Trends direkt auszuprobieren.

20.02.2020 DGA | Quelle: FIBO (gesundheit adhoc)

Placebos verbesserten das Befinden bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen

Eine Studie der Universitätsmedizin Essen zeigte: Patienten mit chronischen Rückenschmerzen profitieren von einer Therapie mit Placebos. Der Schmerz war gelindert, außerdem fühlten sie sich „fitter“ und weniger depressiv - und das, obwohl die Studienteilnehmer wussten, dass sie Placebos einnahmen! Der schmerzlindernde Effekt der Placebos war in etwa so hoch wie der eines NSAID (nichtsteroidalen Antirheumatikums). „Es lohnt sich, den Placeboeffekt in bestehende Therapiekonzepte einzubinden“, so der DGN-Pressesprecher Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen.

Placebos können in der Schmerztherapie helfen – sogar, wenn die Studienteilnehmer sich darüber im Klaren sind, dass es sich um Placebos handelt – so lässt sich in Kürze das Ergebnis einer Studie des Universitätsklinikums Essen an 127 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen zusammenfassen.

Die Patienten, die mindestens 12 Wochen lang unter Rückenschmerzen gelitten hatten, wurden in zwei Gruppen unterteilt. Die eine Gruppe (n=60) erhielt die gleiche Behandlung wie zuvor, die zweite (n=67) erhielt zusätzlich 21 Tage lang zweimal täglich ein Placebo. Vor Studienbeginn war allen Studienteilnehmern ein Video vorgeführt worden, das über den sogenannten Placeboeffekt und die neueste Studienlage zu möglichen positiven Effekten einer offenen Placebogabe informierte. Die Patienten waren also informiert, dass sie eine wirkstofffreie Substanz einnehmen. Den Patienten in der Vergleichsgruppe wurde versichert, dass sie nach Ablauf der Studie ebenfalls eine Placebo-Anwendung erhalten können. Die Gruppen unterschieden sich nicht signifikant in Alter, Geschlecht und Schmerzintensität zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses, allerdings war der BMI in der Gruppe, die zusätzlich mit Placebo behandelt wurde, höher (28,18 vs. 25,72).

Die Studie untersuchte zum einen die von den Patienten berichteten Behandlungserfahrungen wie Schmerzlinderung und funktionelle Beeinträchtigung im Alltag („patient reported outcomes“), aber auch objektive Kriterien wie die Beweglichkeit der Wirbelsäule im Hinblick auf Bewegungsausmaß und -geschwindigkeit, die mit Sensoren auf der Wirbelsäule gemessen wurden. Die Schmerzintensität stellte als subjektiver Parameter den primären Endpunkt dar, sekundäre Endpunkte waren die schmerzbedingte Einschränkung, Depression, Angst und Stress, die mittels standardisierter Fragebögen erhoben wurden.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Gruppe, die mit Placebos behandelt worden war, eine signifikant stärkere Abnahme der Schmerzintensität aufwies (p=0,001), sich funktionell weniger eingeschränkt fühlte (p=0,02) und angab, weniger depressiv zu sein (p=0,01). Auch fragten die mit Placebo behandelten Patienten im Trend weniger häufig nach einer Notfallmedikation, also zusätzlichen Schmerzmitteln. Die objektiv erhobenen Parameter waren hingegen zwischen den Gruppen nicht unterschiedlich. Wie aber ist es zu erklären, dass Placebos das subjektive Befinden signifikant verbessern konnten, obwohl den Studienteilnehmern sogar klar war, dass sie Placebos, also völlig wirkstofffreie Kapseln, erhalten hatten?

Dr. Julian Kleine-Borgmann, Erstautor der Studie, und Frau Prof. Ulrike Bingel, die Projektleiterin, führen an, dass die Mechanismen einer offenen Placebo-Anwendung noch nicht hinreichend erforscht sind. Patienten könnten durch das Informationsvideo unbewusste positive Erwartungen im Hinblick auf das Placebo entwickelt haben, obwohl die gemessene Erwartung in der Placebo-Gruppe in keinem signifikanten Zusammenhang mit der Schmerzlinderung stand. Eine weitere Hypothese ist die Umdeutung sogenannter natürlicher Fluktuationen: Es ist bekannt, dass chronische Rückenschmerzen in ihrer Intensität über den Verlauf schwanken. Möglicherweise führen schmerzärmere Phasen dazu, dass positive Erwartungen im Sinne einer „self-fulfilling prophecy“ erfüllt werden, wodurch der Glaube an einen positiven Effekt der Placebos weiter bestärkt wird.

Kleine-Borgmann und Kollegen sind der Überzeugung, dass das therapeutische Potenzial von Placebos weiter untersucht werden sollte – Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen, Pressesprecher der DGN, geht noch einen Schritt weiter: „Es lohnt sich, den Placeboeffekt stärker in bestehende Therapiekonzepte einzubinden. Dazu gehört eine positive Darstellung des zu erwartenden Therapieerfolges.“ Er hebt hervor, dass bei chronischen Schmerzerkrankungen die Psyche eine wichtige Rolle spielt und auf das subjektive Schmerzempfinden Einfluss nehmen kann. „Wenn wir die subjektive Schmerzlast der Patienten – und sei es auch nur bei einem Teil der Patienten – durch ein Aufklärungsvideo und die Ergänzung des Placeboeffektes nennenswert senken können, sollten wir diese Option nutzen. Chronische Schmerzpatienten haben einen enormen Leidensdruck, der sie körperlich und seelisch zermürbt, eine Therapie, die zu einer subjektiven Verbesserung führt, hat Berechtigung – auch wenn wir die dahinterliegenden Mechanismen noch nicht vollständig verstehen.“

[1] Kleine-Borgmann J, Schmidt K, Hellmann A, Bingel U. Effects of open-label placebo on pain, functional disability, and spine mobility in patients with chronic back pain: a randomized controlled trial. Pain 2019; 160 (12): 2891-2897. doi: 10.1097/j.pain.0000000000001683.

Exzessives Sporttreiben bei Essstörungen: psychologische Mechanismen entschlüsselt

Übermäßiges, exzessives und zwanghaftes Sporttreiben ist sehr schädlich für die Gesundheit, besonders ausgeprägt ist dies bei Personen, die unter Essstörungen leiden. Anhand elektronischer Tagebücher hat ein Forschungsteam des KIT und der Universität Freiburg nun erstmals psychologische Alltagsmechanismen aufgedeckt, die diesem pathologischen Sporttreiben zugrunde liegen. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass essgestörte Personen Sport dazu nutzen, bedrückende Stimmungslagen und negative essstörungsbezogene Gedanken zu regulieren. Die aktuelle Studie ist in der Zeitschrift Psychotherapy and Psychosomatics veröffentlicht (DOI: 10.1159/000504061).

Unbestritten ist, dass Sport die Gesundheit fördert. Wird Sport jedoch exzessiv und zwanghaft betrieben und im Extremfall zur „Sportsucht“, kann dies krank machen. Dieses ungesunde Sporttreiben ist nachweislich besonders ausgeprägt bei Personen, die unter Essstörungen leiden. Ein Forschungsteam am Institut für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) des KIT und der Universität Freiburg konnte nun erstmals psychologische Alltagsmechanismen aufdecken, die diesem pathologischen Sporttreiben zugrunde liegen. Die Methode, die diese Studie möglich machte, heißt Ambulantes Assessment. Sie erfasst menschliches Erleben und Verhalten im Alltag und wurde von einer Expertengruppe am IfSS entwickelt und eingesetzt. „Der Kerngedanke ist, dass wir die Spezies Mensch in ihrem natürlichen Lebensumfeld untersuchen müssen, um menschliches Verhalten verstehen zu können“, sagt Professor Ulrich Ebner-Priemer, Leiter des Mental mHealth Labs am KIT.

In der vorliegenden Studie wurden spezifisch entwickelte aktivitäts-getriggerte elektronische Tagebücher auf Smartphones eingesetzt. „Mit diesen elektronischen Tagebüchern konnten wir das dynamische Wechselspiel von körperlicher Aktivität und psychologischen Variablen im Alltag untersuchen“, erläutert Markus Reichert, der am KIT in der Arbeitsgruppe von Professor Ebner-Priemer forscht und zusammen mit Dr. Sabine Schlegel von der Universität Freiburg einer der beiden Erstautoren der Studie ist. „Dank dieser Technologie war es möglich, subjektive Selbstberichte bei auffälligen Bewegungsepisoden gezielt anzufordern und so eine hohe statistische Varianz der Daten zu generieren.“

Mithilfe dieser Methodik wurde die körperliche Aktivität von 29 Patientinnen mit Essstörungen und 35 gesunden Kontrollprobandinnen per Accelerometer, einem Bewegungssensor, objektiv und kontinuierlich in deren Alltag über sieben Tage hinweg aufgezeichnet. Der Accelerometer war via Bluetooth mit einem Smartphone verbunden, eine installierte App löste beim Über- und Unterschreiten bestimmter Aktivitätsschwellen Tagebuchabfragen aus und die Testpersonen wurden zusätzlich aufgefordert, sowohl vor als auch nach dem Sporttreiben über ihre Befindlichkeit zu berichten.

Dabei stellte das Forschungsteam fest, dass bei Patientinnen mit Essstörungen dem Sporttreiben ein Stimmungsabfall vorausging. Dieser Effekt zeigte sich bei den gesunden Kontrollprobandinnen nicht, vielmehr fühlten sie sich vor dem Sport besonders energiegeladen. Nach dem Sporttreiben waren die Patientinnen mit Essstörungen im Vergleich zu den gesunden Kontrollprobandinnen und relativ zu ihrer durchschnittlichen Stimmung besser gelaunt, fühlten sich entspannter, verspürten weniger Druck, schlank sein zu müssen, und waren mit ihrem Körper zufriedener. Dieser Effekt hielt aber nur für eine begrenzte Zeit an, je nach Probandin von circa einer Stunde bis zu drei Stunden.

Die Ergebnisse, die das Autorenteam in der Fachzeitschrift Psychotherapy and Psychosomatics veröffentlicht hat, lassen den Schluss zu, dass Patientinnen mit Essstörungen das Sporttreiben dazu nutzen, um bedrückende Stimmungslagen und negative essstörungsbezogene Gedanken zu regulieren. „Um mit schwierigen emotionalen Zuständen und negativem Körpererleben umzugehen, treiben sie Sport, vermutlich auch mangels fehlender alternativer Strategien in solchen Momenten“, erläutert Markus Reichert. „Naheliegend ist auch, dass die positiven Effekte des Sporttreibens das ungesunde Sporttreiben verstärken – sich nach dem Sport befreit zu fühlen, führt zu erneutem Sportreiben, wenn die Wirkung wieder abklingt. Dies kann dann in einen Teufelskreis hineinführen, in welchem immer mehr Sport getrieben werden ‚muss‘ um sich gut zu fühlen“, resümieren Markus Reichert und Professorin Almut Zeeck, Koordinatorin der Sudie am Universitätsklinikum Freiburg.

Laut Zeeck liefern diese Erkenntnisse wichtige Implikationen für die Therapie und weitere Forschung. So könnte Sport in der Therapie gezielt und dosiert eingesetzt werden, um die Stimmung und das Körpererleben essgestörter Menschen positiv zu beeinflussen. Von zentraler Bedeutung sei es jedoch, den Patientinnen und Patienten alternative Handlungsstrategien zu vermitteln, um ungesundes, übermäßiges Sporttreiben zu verhindern. Hier könnten neueste Technologien, wie beispielsweise Alltagsintervention auf Smartphones helfen. „Damit eröffnen sich neue Perspektiven für therapeutische Interventionen, die Patientinnen und Patienten in ihrem Alltag erreichen und eine wichtige Ergänzung zu einer ambulanten Psychotherapie darstellen können“, so Zeeck.